Ein Tag, der die politische Landschaft der Republik veränderte

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Von Wilhelm Esser

Es war im Oktober 2012, als ich durch einen Leserbrief in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum ersten Mal auf die Wahlalternative 2013 aufmerksam wurde. Nach kurzer Recherche im Internet war klar: Hier war ich richtig. Es gab sie, die Personen, die sich gegen die unsägliche EURO-Rettungspolitik ebenso auflehnten, wie ich es seit Monaten tat. Noch am gleichen Abend schrieb ich mich als Unterstützer der WA 2013 ein. Schnell war in den nächsten Tagen ein telefonischer Kontakt zu Bernd Lucke hergestellt. Lucke stellte in Aussicht, dass sich die Organisation bald regional aufstellen werde.

Anfang Dezember war es soweit. Ich wurde nach Düsseldorf eingeladen. Dort trafen sich ein halbes Dutzend Personen, die Jobst Landgrebe zu Landesbeauftragten der WA 2013 ernannte. Alle Anwesenden zeigten sich entschlossen, die Dinge in NRW zu treiben. Am 20. Januar 2013, am Tag der Landtagswahl in Niedersachsen, lud der Sprecherrat der WA 2013 die Landesbeauftragten aus ganz Deutschland nach Hannover ein. Rund 60 Personen folgten der Einladung. Der Stand der Aufbauarbeit und eine Aussprache über die Zusammenarbeit mit den Freien Wählern standen auf der Tagesordnung. Deshalb nahm auch Stephan Werhahn, der als Enkel Konrad Adenauers Spitzenkandidat der Freien Wähler bei der anstehenden Bundestagswahl werden sollte, an der Sitzung teil. Der Kontrast hätte größer nicht sein können: Auf der einen Seite die Sprecher Lucke, Adam und Landgrebe, eloquent, geistig rege und entschlossen, und auf der anderen Seite ein eher bedächtiger, biederer Stephan Werhahn, der mit seinem Notizkalender in Hand vor uns dozierte. Und das sollte unser Partner, der Spitzenkandidat unserer dynamischen Truppe bei der Bundestagswahl werden? – Viele konnten es sich nicht recht vorstellen. Gegen 18.00 Uhr verstärkten die ersten Prognosen über das Wahlergebnis der Freien Wähler bei der Landtagswahl die Ernüchterung. Die Forderungen nach einer eigenen Parteigründung wurden lauter.

Trotzdem – es sollte nichts unversucht bleiben. Der Sprecherrat erhielt den Auftrag, ein letztes Mal mit der Führung der Freien Wähler zu verhandeln. Wenn innerhalb von 14 Tagen kein befriedigendes Verhandlungsergebnis vorläge, dann wollten wir eine neue Partei gründen. Ich habe Hannover an diesem Abend mit dem sicheren Gefühl verlassen, den Start einer politischen Saturn-V-Rakete mitzuerleben. Ich sollte mich nicht täuschen.

Es kam der 6. Februar 2013. Es war ein Mittwoch. Gegen Mittag trafen wir uns im hessischen Oberursel. Ein kalter, ein nasser Tag. Oberursel trug ein Winterkleid. Der Schnee verursachte chaotische Verkehrsverhältnisse. Rund zwei Dutzend Teilnehmer trafen bis zum frühen Nachmittag nach und nach ein. Veranstaltungsort war eine kirchliche Einrichtung – einen Steinwurf von der Halle entfernt, in der einen Monat später der erste öffentliche Auftritt unserer Partei standfinden sollte.

Wir kamen aus der Kälte in die Wärme – klimatisch wie politisch. Die Begrüßungen waren herzlich, man kannte sich schon. Nach dem Bericht des Sprecherrats war klar, wir würden heute eine neue Partei gründen. Nur, wie sollte sie heißen, unsere neue Partei? – Seit Wochen kreisten die Diskussionen um die Namen Alternative, Allianz, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Deutschland und Europa. Es wurde hart gerungen, die Diskussion schien endlos. Am Ende stand der Name: Alternative für Deutschland in Europa. Aber damit war die Namensdiskussion lange nicht abgeschlossen. Sie sollte in den nächsten Tagen und Wochen noch einmal richtig Fahrt aufnehmen, bis man sich dann auf den kürzeren, prägnanteren Namen Alternative für Deutschland einigte.

Als der Gründungsbeschluss fiel, kam verhaltener Applaus auf. Freude stand in vielen Gesichtern. Es herrschte Zuversicht und auch ein wenig Stolz. An dem Beschluss waren weniger als 20 Personen beteiligt. Die ersten hatten die Sitzung schon verlassen müssen, um den gebuchten Flug oder Zug zu erreichen.

Es schlossen sich Wahlen zum Vorstand an. Die Stimmung war gelöst, um nicht zu sagen heiter. Nur einer – schmollte. Er war gerade bei der Wahl um den dritten Sprecherposten gegen Dr. Konrad Adam durchgefallen. Es sollte nicht die einzige Kampfkandidatur bleiben, die er innerhalb der nächsten Monate verlor.

Wenn man heute auf die letzten zwölf Monate zurückschaut, lautet das Ergebnis: Es ist viel, sehr viel erreicht worden – auch wenn wir am 22. September das angestrebte Ziel, den Einzug in den Deutschen Bundestag, knapp verpassten. Aber für Politik braucht man einen langen Atem. Es wird der Tag kommen, liebe Parteifreundinnen und –freunde, an dem wir nicht nur die politische Landschaft, sondern auch die Politik dieses Landes verändern und gestalten: Demokratisch, rechtsstaatlich und vernunftgesteuert. – Vorwärts, lassen wir in diesem Jahr nicht nach! Wir schulden es unseren Kindern und Enkeln.

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