Eine Betrachtung zu Gabor Steingart

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Und trotzdem hat er Recht!

Eine Betrachtung von Martina Dahlem

Einmal mehr wird ein hervorragender, gelegentlich auch polarisierender
Journalist vom politisch-medialen Meinungskartell für seine zwar satirisch
überspitzte, aber dennoch zutreffende Beschreibung bundespolitischer
Realität kaltgesellt.

Schon die Tatsache, dass sein Mitverleger sich eiligst von ihm trennt und
sich in fast unterwürfiger Manier beim parodierten Politiker entschuldigt,
spricht Bände und läßt erahnen, wie ausgeprägt die unheilige Allianz
zwischen „Medienmachern“ und (Alt-)Politikern heute inzwischen ist.
Hätte sich früher ein Verleger nicht schützend vor seinen Chefredakteur
gestellt und dessen Ausführungen mit dem Hinweis auf die Pressefreiheit
verteidigt?

Selbst für den politischen Laien war in den zurückliegenden Wochen nicht
mehr zu übersehen, dass es Herrn Schulz (über den der Focus einmal
konstatierte: „Eigentlich sollte man über Martin Schulz nur lächeln. Über
seine grenzenlose Eigenliebe, sein Machtgehabe und seine Wichtigtuerei.
Doch der Mann ist gefährlich.“) im Wesentlichen nur um seinen Posten und
nicht um das Wohl dieses Landes ging.

Bereits in seinem Buch „Deutschland – Der Abstieg eines Superstars“ hatte
Gabor Steingart den wirtschaftlichen, politischen und damit auch gesell-
schaftlichen Niedergang unseres Landes zutreffend beschrieben.

Einzig in einem Punkt seiner hervorragenden Analyse möchte ich ihm
heute widersprechen. Er gestand damals Helmut Kohl das Verdienst zu
„nach 16 Jahren Regierungszeit ein geeintes Europa und ein wiedervereinigtes
Vaterland“ hinterlassen zu haben, „was den Frieden so sicher macht, dass an
Krieg in unseren Breiten kaum mehr zu denken ist.“ Mit Blick auf die inzwischen
bestehenden Zustände in Deutschland und Europa bin ich mir da nicht mehr
so sicher. Aber vor vierzehn Jahren konnte selbst er sich diese negative
Entwicklung hierzulande wohl auch nicht vorstellen.

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ weiß der Volksmund zu empfehlen.

Um sich die tragikomischen Verhältnisse in diesem Land schönzutrinken,
bedarf es inzwischen jedoch eines ganzen Weinkellers!

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