Deutschlands Verhältnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika

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Vortrag in Euskirchen am 26. Januar 2017

Deutschlands Verhältnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika

wirtschaftlich – militärisch – technologisch

Am Ende des 2. Weltkriegs war Deutschland ein zerstörtes Land. Seine Städte lagen in Trümmern, viele Menschen hungerten. Zusätzlich zu der Bevölkerung im restlichen Deutschland mussten acht Millionen Vertriebene aus den an Polen und die Tschechoslowakei verlorengegangenen Ostgebieten versorgt werden. Jede der vier Siegermächte USA, England, Frankreich und Russland bekam einen Teil von Deutschland als Besatzungszone zur Verwaltung zugewiesen.

Zweifelsfrei hatten die USA mit dem großen Wirtschaftswiederaufbauprogramm, dem sogenannten Marshallplan, offiziell European Recovery Program (kurz ERP) genannt, den größten Anteil an dem Wiederaufbau Deutschlands. Die Hilfe bestand zunächst aus Krediten, Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren.

Damit war ein enges wirtschaftliches Verhältnis Deutschlands zu den USA in den Jahrzehnten seit Kriegsende begründet, das sich auch auf weitere Bereiche ausdehnte.

In der durch die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), Kreisverband Euskirchen, veranstaltete Podiumsveranstaltung wird Deutschlands Verhältnis zu den USA unter wirtschaftlichen, militärischen und technologischen Aspekten betrachtet. Es werden zu den drei Themenbereichen Eingangsvorträge gehalten, die dann die Grundlage für eine durch Herrn Prof. Dr. Bauch moderierte Diskussion bieten sollen.

Wirtschaftlich“, Dr. Roland Hartmann

Die USA sind zweifellos der wichtigste Bündnis- und Handelspartner Deutschlands. Dennoch gibt es auch zwischen diesen Staaten unterschiedliche Wirtschaftsinteressen. Aktuelle Beispiele hierfür sind die nicht im deutschen Interesse liegenden Wirtschaftssanktionen gegen Russland, der Versuch, über TTIP Verbraucherschutzstandards in unserem Land zu unterlaufen, sowie die unverhältnismäßigen Strafen und Schadensersatzforderungen der Amerikaner gegen Volkswagen und die Deutsche Bank. Doch die Bundesregierung verfolgt auch hier eine reine Anpassungspolitik, statt nationale Interessen selbstbewusst und eigenständig wahrzunehmen.

„Militärisch“, Rüdiger Lucassen

Seit über 60 Jahren ist Deutschland Mitglied des von den USA im Jahre 1949 gegründeten westlichen Militärbündnisses, der NATO. Deutschland gilt als einer der verlässlichsten Partner der mittlerweile 28 Mitgliedstaaten. In den Zeiten des sogenannten „Kalten Krieges“ wäre Deutschland im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung Hauptkriegsschauplatz gewesen. In Deutschland waren aufgrund des NATO-Truppenstatuts kampfstarke Verbände der Alliierten stationiert. Noch heute befinden sich 37.500 amerikanische Soldaten in den alten Bundesländern. Eine volle Souveränität Deutschlands wurde auch nach der Wiedervereinigung und trotz 2+4-Vertrag nicht erreicht, die Feindstaatenklausel ist immer noch nicht aus der UN-Charta gestrichen und wir erleben zurzeit eine diplomatische Eiszeit gegenüber der Russischen Föderation.

„Technologisch“, Uwe Kamann

Die bisherige international führende Stellung im Maschinenbau hat uns den heutigen Wohlstand gebracht. Jedoch werden wir diese Vormachtstellung durch den Ausverkauf unserer technologischen Kompetenzen an internationale amerikanische und asiatische Großkonzerne sowie Investoren mittelfristig einbüßen. Dieser Aderlass und die Versäumnisse der politischen Weichenstellung beim digitalen Wandel (Industrie 4.0), wird die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft u.a. durch die USA weiter vorantreiben. Deutschland hinkt beim digitalen Wandel gerade auf der technologischen Seite um Jahre anderen Ländern weit hinterher. Wer in Zukunft die Digitalisierung technologisch und intellektuell beherrscht, wird massiven Einfluss auf die gesellschaftliche und politische Ausprägung der weltweiten Gesellschaft haben.  Die Digitalisierung könnte somit zum Öl des neuen Jahrhunderts werden.

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