Flüchtlinge nun auch nach Vogelsang

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Die Häuser der „Schelde“ auf dem Gelände in Vogelsang werden in den kommenden Wochen hergerichtet: Bis zu 1000 Flüchtlinge könnten dort einziehen. Von Franz Küpper

Schleiden.  Kölnische Rundschau vom 13.10.2015

Vier große Unterkünfte für Flüchtlinge gibt es bereits im Kreis Euskirchen. In der Jugendherberge Hellenthal stehen 162 Plätze bereit, im Schullandheim Gemünd 200 und in zwei Häusern in Euskirchen insgesamt 500. Nun soll, möglicherweise zum Jahreswechsel, eine weitere große Unterkunft dazukommen: in Vogelsang.

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Fünf Hektar ist das Schelde-Areal groß. Die Häuser werden nun hergerichtet, so dass nach und nach dort Flüchtlinge einziehen können (Fotos: Küpper)

Die Bezirksregierung plant die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Gelände, das die Belgier „Schelde“ tauften. Regierungspräsidentin Gisela Walsken war bereits mit einer Abordnung vor Ort, um sich die Gebäude anzuschauen. Die sind im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und sollen dem Land vermietet werden.

Seit 2005 die militärische Nutzung Vogelsangs endete, stehen die Gebäude (siehe „Unterkünfte für 600 bis 800 Soldaten“) leer. In der Vergangenheit nutzten Feuerwehr, THW und DRK das verwaiste, einer Parkanlage ähnliche Gelände zu Übungszwecken. Das Gras rund um die Gebäude und die Wege ist hoch gewachsen. Einige Scheiben der Häuser sind eingeschlagen. Die Substanz scheint grundsätzlich in Ordnung zu sein.

Platz für bis zu 1000 Menschen

Wie Kreispressesprecher Walter Thomaßen am Montag auf Anfrage erklärte, plant die Bezirksregierung in Vogelsang die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen. Wie viele es sein könnten, konnte er nicht sagen. Offiziell heißt es: „Eine möglichst große Anzahl.“ Nach Informationen dieser Zeitung könnten es, wenn das Areal komplett in Betrieb ist, bis zu 1000 Flüchtlinge sein.

„Die können aber nicht sofort in einem Schwung kommen“, stellte Thomaßen klar. Ähnlich wie in der Notunterkunft in einem früheren DHL-Gebäude in Euskirchen soll die Anzahl sukzessiv erhöht werden. Zunächst muss in den kommenden Wochen ohnehin einiges passieren. Die Gebäude müssen teilweise saniert werden. Strom-, Wasser- und Heizungsanschlüsse sowie die Sanitäranlagen müssen auf Vordermann gebracht, teilweise Fenster erneuert werden. Einrichtungen wie Toiletten und Duschköpfe müssen wieder installiert werden. An diesem Mittwoch werden Vertreter von Bezirksregierung und Kreis die Gebäude unter die Lupe nehmen.

Das Geld für die Sanierung und die Unterbringung der Flüchtlinge kommt laut Thomaßen vom Land. Es sei noch unklar, wann die ersten Flüchtlinge in Vogelsang ankommen würden. Die Gebäude müssten auch noch im Hinblick auf den Brandschutz geprüft werden. Da das DRK seit einigen Jahren auf dem Vogelsanggelände mit einem Museum, dem Jugend-, Natur- und Umweltbildungshaus „Transit 59“ und der Unterkunft des Ortsvereins Schleiden aktiv und zudem Betreiber zweier Flüchtlings-Notunterkünfte im Kreis ist, liegt es nahe, dass es auch den Betrieb der Unterunterkunft „Schelde“ übernimmt.

DRK-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker: „Dies entscheiden letztendlich natürlich andere, aber wir haben bereits mit den Überlegungen begonnen.“ Laut Thomaßen ist das DRK als Betreiber vorgesehen. Wie Manfred Poth, Aufsichtsratsvorsitzender von Vogelsang ip, mitteilen ließ, weiß man von den Plänen der Bezirksregierung und steht diesen offen gegenüber. Eine Beeinflussung des gut einen Kilometer entfernten Besucherzentrums Vogelsang wird es laut Poth nicht geben. Schleidens Bürgermeister Udo Meister wollte sich zu diesem Thema noch nicht äußern, da er noch keine Unterlagen von der Bezirksregierung erhalten habe.

Kritiker befürchten, dass die Unterbringung in dem abseits gelegenen Vogelsang zur Isolation führen könnte. Daher wurden auch zu der Frage, wie man die Menschen sinnvoll beschäftigen kann, bereits Überlegungen angestoßen. Denkbar wären beispielsweise kleinere Gärtner- oder Hausmeisterarbeiten zur Instandhaltung und Pflege der Anlage.

Euskirchen – 200 Flüchtlinge sind seit Mitte September in der Notunterkunft in einem früheren DHL-Gebäude in Euskirchen untergebracht. Ein Problem stellen nach Angaben des Betreibers DRK die fehlenden Sanitäranlagen dar.
Weil in den Duschen im neuen Wund-Bad in den Herbstferien Bauarbeiten stattfinden, werden die Flüchtlinge aktuell mit einem RVK-Bus jeden Tag zu den Turnhallen-Duschen des Thomas-Eßer-Berufskollegs gefahren.
Das DRK plant jedoch ein Duschhaus am Gebäude, in dem zudem Waschmaschinen aufgestellt werden könnten. (küp)

Schelde – Das rund fünf Hektar große Gelände „Schelde“ liegt von der Einfahrt zum Vogelsanggelände in Richtung Malakoff-Toreinfahrt kommende auf der linken Seite direkt an der Zufahrtsstraße K17. Für Besucher ist es eigentlich nach wie vor gesperrt, doch hin und wieder schauen sie sich auch dieses Gelände an.
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Waschräume (Foto Küpper)
20 bis 25 Gebäude befinden sich in diesem Bereich auf zwei Geländeterrassen. Zwei Toilettenhäuser mit rund 30 Toiletten und ein Dusch-Haus mit 15 Duschen sind ebenfalls vorhanden.
Die Belgier bauten die Anlage in den 50er und 60er Jahren zur Erweiterung der Unterkunftsräume, zugleich wurden zwei große Vorgänger-Lager („Lys“ und „Ijser“) am Rand des ehemaligen Flugplatzgeländes am Walberhof abgerissen.
Mit diesen Unterkünften und den aus der Zeit des Nationalsozialismus stammenden Bauten war es möglich, Militäreinheiten in Brigadestärke (5000 Soldaten) im Camp unterzubringen und zu versorgen.
Zunächst waren die Schelde-Gebäude aus Holz. In den 70er und 80er Jahren wurden sie renoviert und mit verzinktem Blech verkleidet, um die Langlebigkeit sicherzustellen. 600 bis 800 Soldaten waren einst auf dem Gelände untergebracht. (küp)

 

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2 Kommentare zu “Flüchtlinge nun auch nach Vogelsang

  1. Jetzt ist also auch Vogelsang an der Reihe. Der von Frau Merkel propagierte Wahnsinn, Flüchtlinge ohne Obergrenze ins Land zu lassen, löst überall Chaos aus und wird noch mehr Chaos verursachen, warum soll Vogelsang davon ausgenommen sein? Auch hier sollen jetzt in ehemaligen Unterkünften der Belgier unweit des Besucherzentrums bis zu 1000 Flüchtlinge untergracht werden.
    Trotzdem ist Vogelsang für mich ein besonderes Objekt, weil ich seit den Kommunalwahlen im Jahr 2014 für die AfD als sachkundiger Bürger im Kreisausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Konversion Vogelsang die Geschicke Vogelsangs mitverfolgt habe. Ich musste mich oft mit Vogelsang beschäftigen, ich habe mich informiert, und dabei ist Vogelsang mir auch irgendwie ans Herz gewachsen.
    Mit Vogelsang ist eines der wichtigsten Bauwerke aus der NS-Zeit in ganz Deutschland dem Kreis Euskirchen erhalten geblieben. Es war eine der nur drei Ordensburgen in ganz Deutschland, in denen der Nachwuchs für die NSDAP geschult werden sollte. Es gibt wenige Orte, die den Geist der damaligen Zeit so authentisch widergeben können wie dieser. Bevor man etwas kritisieren kann, sollte man sich ja eingehend damit beschäftigen. Das ist hier möglich. Die kritische Betrachtung wird durch eine ausführliche NS-Dokumentation gewährleistet. Mit öffentlichen Geldern in Höhe von ca. 40 Millionen Euro wurde ein Besucherzentrum errichtet und Vogelsang sollte zu einer internationalen Begegnungsstätte zum iP, nämlich zum internationalen Platz werden. Bei einer verantwortungsvollen Wahrnehmung des Bildungsauftrags hätte hier in großartiger Natur über der Rurtalsperre eine eindrucksvolle und wichtige Gedenkstätte entstehen können.
    Vogelsang sollte auch Zentrum des Nationalparks Eifel sein, und auch dazu war eine Dokumentation vorgesehen. Darüber hinaus ist ein Tagungs- und Seminarbereich geplant und eine große Gastronomieanlage. Der Kreis Euskirchen hat, wie auch das Land NRW, für eine gut gemeinte Sache viel Geld in die Hand genommen und sein größtes Investitionsprojekt gestartet, das viele Schulen und private Besucher anziehen sollte und dass nicht zuletzt der Region touristischen Aufschwung geben sollte. Um die Finanzierung sicher zu stellen hat man jahrelang kämpfen müssen, denn der Bau am alten Bestand brachte immer neue negative Überraschungen mit sich. Und jetzt stehen wir endlich ein paar Wochen vor der Eröffnung. Und jetzt sollen, wegen fehlender anderer Alternativen, auch auf dem Gelände von Vogelsang Flüchtlinge untergebracht werden.
    So war der Internationale Platz wohl nicht vorgesehen gewesen. Es steht zu befürchten, dass der ganze Sinn und Zweck der Anlage in Frage gestellt wird. Kann man Vogelsang noch Schülern als Bildungsstätte anbieten oder zumuten? Werden private Interessenten nicht vor einem Besuch zurückschrecken, weil sie Angst vor umherstreunenden Flüchtlingen haben? Das sind Fragen, die nicht von der Hand gewiesen werden können. Haben wir vielleicht wertvolle Steuergelder in Höhe von 40 Millionen Euro für eine Flüchtlingsunterkunft verschwendet? Das hätte man billiger haben können. Dafür könnte man wohl jahrelang sämtliche Flüchtlingslager in den Herkunftsländern finanzieren. Und das wäre obendrein viel sinnvoller gewesen.
    Unseren kommunalen Politikern, die viel Herzblut für die Anlage geopfert haben, kann kein Vorwurf gemacht werden. Der Vorwurf geht an die Bundesregierung und an Frau Merkel im Besonderen. Vogelsang ist nur ein Beispiel, wie verantwortungslos die Anreize und die gezielte Einladung an alle Unzufriedenen dieser Welt war, unbegrenzt nach Deutschland zu kommen. Zuerst hätte man die eigenen Ressourcen überprüfen müssen. Und das hätte die Obergrenze sein müssen. Der Satz: „Wir schaffen das!“ war verantwortungslos. Wenn hier im Land jede Regelung und jede Planung über den Haufen geworfen wird, dann regiert nur noch das Chaos. Und Frau Merkel hat die Verantwortung für alle Folgen zu tragen. Und die können wir noch gar nicht absehen.

    Frau Merkel, das ist nicht mehr Ihr Land und Sie sind nicht mehr unsere Kanzlerin. Treten Sie zurück!

  2. Mühsam bemüht sich der Kreis Euskirchen Vogelsang mit viel Geld als Touristenhochburg aufzubauen. Das über Jahre laufende Dilemma Touristen anzuziehen zieht sich wie Kaugummi durch die ganze Nordeifel. Unvorhersehbare Kosten haben das Projekt Vogelsang immer wieder zurück geworfen.
    Und jetzt wird Kreis Euskirchen von der Bezirksregierung Köln bevormundet, bis zum Jahresende 1000 Asylanten dort einzuquartieren. Damit dürfte der Tourismus für Vogelsang und die ganzen Gelder, die bis dahin investiert wurden, Geschichte sein.

    Davon abgesehen das die Wiederinbetriebnahme der alten Gebäude Gelder verschlingen, wird mit keinem Wort erwähnt wer für diese Kosten aufkommen soll. Die klammen Kassen der Kommunen können dieses mit Sicherheit nicht stemmen. Es werden viele Probleme die sich jetzt schon abzeichnen auf uns zukommen.

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